Der liberale Theoretiker versucht die Prinzipien einer gerechten Gesellschaft durch hypothetische Verträge unter einzelnen Gemeinschaftsmitgliedern zu bestimmen. Er geht davon aus, dass die Personen, die diese Verträge abschließen, vor allem ihr eigenes Interesse vor Augen haben, rational handeln, über die menschliche Natur und über das Funktionieren der Gesellschaft gut informiert sind, sich aber gerade deshalb gleichzeitig unter einem sogenannten „Schleier des Nichtwissens“ befinden. Diese letzte und wichtigste Bedingung bedeutet, dass keiner von ihnen etwas über jene seiner Eigenschaften weiß, welche eine unvereingenommene Entscheidung beeinflussen könnten. Da zu diesen Eigenschaften auch die Fähigkeit zur Bereicherung um materielle Werte gehört und da jeder davor Angst haben muss (da man auch die eigene Risikofreudigkeit nicht kennt), nach der Entschleierung die eigene Unfähigkeit zur materiellen Bereicherung zu entdecken, trotzdem aber für sich selbst möglichst die beste Position sichern möchte, wählt man das sogenannte Prinzip der Unterscheidung. Dieses besagt, dass die Ungleichheiten erlaubt sind, aber nur sofern auch die unfähigsten Gemeinschaftsmitglieder einen Nutzen davon tragen können. Auf den ersten Blick sieht es dann so aus, als ob eine solche Betrachtungsweise die Menschen dazu verleiten würde, eine strenge Gleichheit unter allen Gemeinschaftsmitgliedern wählen zu wollen. Eine solche Wahl wäre aber niemandem von Nutzen, da in so einem Fall diejenigen, die nach der Entschleierung größere Fähigkeiten bei sich feststellen konnten, nicht mehr so viel arbeiten würden, wie sie es sonst täten. Deswegen würden auch die, die Angst davor haben, am wenigsten profitieren zu können (und das sind alle, die einen Vertrag abschließen), erlauben, dass die Talentierten unter ihnen besser vergütet werden, aber nur unter der Bedingung, dass ein Teil der Überschussressourcen auch den weniger Begabten zugute kommt. In der Praxis wird dieses Prinzip als Entschuldigung für eine progressive Besteuerung der Reichen genommen.

Es hat viele Anhänger wie: Brian Barry, Will Kymlicka, Thomas Nagel, Thomas Pogge, Jeremy Waldron usw.

   
   
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